KI für Menschen in beruflicher Reha – Auftaktveranstaltung

Projekt KI.ASSIST
Beitrag erstellt am 17.06.2019

Anwendungen Künstlicher Intelligenz für Menschen mit Schwerbehinderung, Verbesserung von Teilhabechancen in der Arbeitswelt der Zukunft und der Mensch klar im Mittelpunkt – diese Themen bildeten den Schwerpunkt der Kick-Off-Veranstaltung des Projektes KI.ASSIST, welche am 20. Mai 2019 im Kleisthaus des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) in Berlin stattfand.

Nach Eröffnung durch Dr. Rolf Schmachtenberg (Staatssekretär, BMAS), wurden etwa 100 interessierten Teilnehmerinnen und Teilnehmer durch Dr. Susanne Bartel (BV BFW) und Susan Beudt (DFKI) erste Einblicke in das Projekt geboten. Hierbei wurde das zentrale Thema des Projektes herausgestellt: die personenzentrierte Perspektive auf Nutzung und Einsatz von KI-Anwendungen in der beruflichen Rehabilitation. Auch Dr. Julia Borggräfe (Abteilungsleiterin „Digitalisierung und Arbeitswelt“, BMAS), wies anschließend auf die Wichtigkeit eines menschenzentrierten Ansatzes bei der Gestaltung von KI hin. Sie betonte zudem, wie wertvoll der zukünftige, aktive Austausch zwischen dem KI.ASSIST-Projekt und ihrer Abteilung sowie speziell Projekten der BMAS Denkfabrik in diesem Zusammenhang sein könnten. Inklusion als Treiber von KI – ein Kann und Muss, betonte im Anschluss Dagmar Greskamp von Aktion Mensch. Sie veranschaulichte zudem anhand eindrucksvoller Beispiele die Chancen der Digitalisierung für Menschen mit Behinderung in der zukünftigen Arbeitswelt. Im letzten Impulsvortrag stellte Dr. Aljoscha Burchardt, DFKI und Sachverständiger in der Enquête-Kommission „Künstliche Intelligenz“ des Deutschen Bundestages, Bezüge zu ethischen und gesellschaftlichen Implikationen her. Auf dem abschließenden Panel diskutierten Frau Greskamp und Dr. Burchardt mit Richard Fischels (BMAS) und Klaus Höckner (Hilfsgemeinschaft der Blinden und Sehschwachen Österreich; High-Level Expert Group on AI, Europäische Kommission) über gesamtgesellschaftliche Implikationen des digitalen Wandels. Sie betonten die Relevanz von KI für die berufliche Rehabilitation sowie die damit verbundene Chance, den Einsatz von KI mitzugestalten und dabei wichtige Akzente setzen zu können.

Mit Start des Projekts KI.ASSIST im April 2019 haben sich die Projektpartner der Interessenverbände der Berufsbildungswerke (BAG BBW), Berufsförderungswerke (BV BFW) und Werkstätten für behinderte Menschen (BAG WfbM) gemeinsam mit dem EdTec Lab des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz ambitionierte Ziele gesteckt. Wissenschaftlich fundiert und praxisorientiert soll in den kommenden 3 Jahren erprobt werden, wie Menschen mit Schwerbehinderung vom Einsatz KI-basierter Anwendungen im Kontext von Arbeit und Qualifizierung nachhaltig profitieren können. Unter einem klar menschenzentrierten Ansatz werden unter anderem Fragen zu Selbstbestimmung, Kompetenzen, Akzeptanz und Motivation in Verbindung mit dem Einsatz von KI im Fokus stehen. Existierende und in Entwicklung befindliche KI-basierte Technologien werden mit Blick auf ihren Nutzen für Menschen mit Schwerbehinderung in der beruflichen Rehabilitation analysiert und bewertet. Die gewonnenen Erkenntnisse fließen anschließend bundesweit in Lern- und Experimentierräume ein. In diesen werden gemeinsam mit Menschen mit Behinderungen, Ausbilder*innen sowie Arbeitgebern die Potenziale und Grenzen von KI-Anwendungen zur Verbesserung von Teilhabechancen am Arbeitsmarkt erkundet. Zudem wird das Transferpotential von KI-basierten Technologien in die berufliche Praxis überprüft. Mit dem Einsatz und der Nutzung solcher Technologien in der beruflichen Rehabilitation gehen zudem Fragen zu digitaler Ethik und Verantwortung, Datenschutz und Datensouveränität sowie rechtlich-regulatorische Aspekte einher. Zu diesen Themen sowie auch zur Unterstützung der digitalen Transformation mit Blick auf Infrastruktur, Personal und Organisation werden Handlungsempfehlungen erarbeitet, die zukünftige Gestaltungs- und Veränderungsprozesse in der beruflichen Rehabilitation unterstützen sollen.

Das Projekt KI.ASSIST – Assistenzdienste und Künstliche Intelligenz (KI) für Menschen mit Schwerbehinderung in der beruflichen Rehabilitation, wird bis 2022 aus den Mitteln des Ausgleichsfonds für überregionale Vorhaben zur Teilhabe schwerbehinderter Menschen am Arbeitsleben vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) gefördert. Die Erkenntnisse im Rahmen des Projekts sollen unter anderem auch Impulse für die Arbeit beider Enquete-Kommissionen des Deutschen Bundestages („Berufliche Bildung in der digitalen Arbeitswelt“ sowie „Künstliche Intelligenz“) bieten. Die Verbundpartner sehen das Projekt KI.ASSIST als wichtiges Signal, dass zukünftig neue technologische Entwicklungen Menschen mit Behinderungen verstärkt mitnehmen sowie dazu beitragen, ihre Teilhabechancen am Arbeitsmarkt zu verbessern.